Neue Entsorgungspflichten für HBCD-haltige Polystyrol-Dämmplatten aus dem Baubereich ab dem 30. September 2016

28.09.2016

Pressemitteilung des Sachbereiches Abfallwirtschaft/ÖPNV

Mülli informiert

Seit vielen Jahren werden in der Baubranche (z. B. im Bereich von Fassaden, Kellern oder Dächern) zur Isolierung Dämmplatten aus Polystyrolschaum eingesetzt. Zur Brandhemmung wurde dem Kunststoff Polystyrol ein Flammschutzmittel zugesetzt. Seit 1955 wurde hierzu in großem Maße Hexabromcyclododecan (HBCD oder auch HBCDD) verwendet. HBCD ist ein persistenter bioakkumulierbarer Schadstoff. In den Polystyrolplatten gebunden stellt das HCBD keine Gefahr dar. Es kann jedoch bei Bränden und Abrissarbeiten freigesetzt werden. Dabei reichert es sich in biologischem Gewebe an, baut sich chemisch und biologisch nur langsam ab und hat eine schädliche Wirkung auf die Organismen.

Ab 30.09.2016 ist HBCD in der Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung) gelistet. HBCD-haltiger Abfall ist somit gefährlich und getrennt zu entsorgen. Er muss einer Verbrennungsanlage zugeführt und darf nicht deponiert werden.

Bei Abbrucharbeiten fallen Polystyrol-Dämmplatten oft im Verbund mit anderen Materialien an. In den Fällen, wo eine Trennung der Dämmplatten von den anderen Fraktionen möglich und aus Sicht des Arbeitsschutzes zulässig ist, sollte dies bereits auf der Baustelle erfolgen. Ist keine Trennung möglich, muss das gesamte Abfallgemisch als gefährlich eingestuft werden.

Diese neuen Regelungen stellen die Bau- und die Entsorgungsbranche bundesweit vor gleich mehrere Herausforderungen. Neben der Organisation der getrennten Erfassung stellt die fehlende Anlagenkapazität das größte Problem dar. Bund, Länder, Kommunen, Anlagenbetreiber sowie Bau- und Abbruchunternehmen müssen die gesetzlichen Vorgaben umsetzen. Hier sind insbesondere die Länder in der Pflicht, den Vollzug zu regeln. Aber auch der Landkreis arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung vor Ort.

Um eine ordnungsgemäße Entsorgung im Landkreis Prignitz zu gewährleisten, müssen HBCD-beschichtete Dämmplatten in jedem Fall von anderen Abfallfraktionen getrennt werden, da für HBCD-haltige Abfallgemische noch kein Entsorgungsweg zur Verfügung steht. Geringe Anhaftungen anderer Materialien sind dabei zu vernachlässigen. Auf keinen Fall dürfen Polystyrol-Dämmplatten über die Hausmülltonne oder den Sperrmüll entsorgt werden, da die Abfälle aus dem Landkreis Prignitz mechanisch-biologisch behandelt und anschließend deponiert werden.

Gefährliche und ungefährliche Dämmplatten sind, insbesondere nach dem Abriss, nur schwer zu unterscheiden. Der Abfallerzeuger muss daher nachweisen, dass sein Abfall ggf. ungefährlich ist. Hierfür ist eine repräsentative Beprobung des Abfalls erforderlich.

Informationen zu den Entsorgungsmöglichkeiten sowie ein entsprechendes Merkblatt

Auf dieser Seite finden Sie auch eine Liste mit Laboren, die HBCD bestimmen können.

© Landkreis Prignitz 


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