Großes Interesse an archäologischer Führung in Seddin

11.07.2018

Grabhügel in den Wickboldschen Tannen gibt weitere Geheimnisse preis

Weitere wertvolle Funde kamen bei einem weiteren Ausgrabungszyklus am „Schwertgrab I“ in den Wickboldschen Tannen bei Seddin in dieser Woche zum Vorschein. Ausgrabungsleiter Jens May vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege konnte vier Scherben einer Türurne aus der Bronzezeit und ein Steingerät präsentieren. Außerdem fand das Ausgrabungsteam, zu dem auch der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Jörg Hildebrandt gehört, mehrere Stellen mit Leichenbrand, der von den Archäologen sehr gut ausgewertet werden kann. Überraschend wurden neben der Grabkammer, die die Archäologen bei einer Grabungstiefe von gut 1 Meter jetzt eindeutig nachweisen können, mehrere Urnen aus Nebenbestattungen geborgen. Am bekannten Königsgrab Seddin seien derartige Funde nicht gemacht worden, weiß Kay Richter vom Sachbereich Denkmalschutz der Kreisverwaltung. Der Landkreis begleitet die Ausgrabungen intensiv und lud in dieser Woche zu einer öffentlichen Führung und Präsentation der Forschungsergebnisse ein. Etwa 100 interessierte Bürger verfolgten mit Spannung den Ausführungen der Archäologen. Jens May erläuterte den Verlauf der nicht gerade runden Grabanlage von etwa 30 Meter Durchmesser, wovon lediglich ein Viertel der Fläche von den Archäologen „aufgedeckt“ werden konnte. In diesem Jahr war es möglich, die Grabungen bis in den noch unberührten Bereich vorzunehmen.

Das Grab jenes unbekannten Herrschers aus der Bronzezeit (2200 bis 88 v.Chr.) wurde bereits 1888 entdeckt und auf der Suche nach Schätzen vollständig „umgegraben“. Seine reiche Ausstattung aus bronzenen Objekten befindet sich heute in Moskau. Für die Überreste von Tongefäßen und für die verbrannten Knochen der Bestatteten interessierte man sich damals jedoch nicht.  Die Urnen aus Ton wurden zerschlagen und verblieben gemeinsam mit den verbrannten Überresten der Toten an Ort und Stelle. So wurde 1888 von einer „Hausurne“ berichtet, die jedoch kein Archäologe zu Gesicht bekam.

Jede Schaufel Sand wird gesiebt, um Knochenreste oder Gefäßstücke zu identifizieren. Foto: Landkreis Prignitzzoom

Von diesem „sagenhaften“ Gefäß  wurden bei ersten Grabungen im vergangenes Jahr mehre Scherben gefunden, darunter ein großes Bruchstück von der Tür. Dass weitere passende Türstücke in diesem Jahr hinzukamen, freut das Team der Forschungsgrabungen natürlich ganz besonders.

Der Grabhügel wird jetzt wieder verschlossen und das Winterhalbjahr genutzt, die verschiedenen Fundstücke zu katalogisieren und mit der voll digitalen Dokumentation auszuwerten.

Möglicherweise wurde im „Schwertgrab I“  ein unmittelbarer Vorfahre des  Mannes aus dem bekannten Königsgrab zu seiner letzten Reise niedergelegt. Es ist jedenfalls älter zu datieren als das Königsgrab Hinz. „Vielleicht war es ja der Opa von König Hinz“, lässt Kay Richter der Fantasie und Vorstellungskraft der interessierten Besucher freien Lauf.

Aufmerksam verfolgten Besucher die interessanten Ausführungen von Grabungsleiter Jens May (l.). Foto: Landkreis Prignitz

© Landkreis Prignitz 


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