Brandenburgischer Denkmalpflegepreis für ehemalige Neuapostolische Kirche

07.09.2021

Vorbildliche Restaurierung und Nachnutzung wird gewürdigt

Für die behutsame denkmalgerechte Instandsetzung der ehemaligen Neuapostolischen Kirche in Wittenberge erhielten Frau Becker-Koob und Herr Koob (l.), am 09.09.2021 den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis. Fachgerecht unterstützt wurden sie dabei vom Sachbereich Denkmalschutz des Landkreises Prignitz unter Leitung von Gordon Thalmann (m.) Foto: Landkreis Prignitzzoom

Die ehemalige Neuapostolische Kirche in der Rathausstraße 13 in Wittenberge erhält in diesem Jahr den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis für die denkmalgerechte Instandsetzung und neue Nutzung des Kirchengebäudes.  Die Preisverleihung  durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur findet am 9. September 2021 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster (Brandenburg an der Havel) statt.

Bundesweit bekennen sich neben den bekannten christlich-katholisch- und protestantischen Religionsgemeinschaften rund 330.000 Christen in 1.700 Kirchengemeinden zum neuapostolischen Glauben, dessen Anfänge auf den schottischen Geistlichen Edward lrving zurückgehen und der in Deutschland (Hamburg) 1863 begründet wurde. Auch in Brandenburg entstanden in Folge mehrere gemeindliche Niederlassungen, so auch in Wittenberge. Im Jahre 1902 wurde eine Gemeinde neuapostolischen Glaubens gegründet, obwohl die Gottesdienste und Versammlungen in ständig wechselnden provisorischen Unterkünften (Wohnzimmern & Nebengelassen) stattfinden mussten. Erst 1934 konnte aufgrund der stetig ansteigenden Mitgliederzahlen der prosperierenden Stadt ein angemessener Neubau, eine Neuapostolische Kirche im Herzen Wittenberges gebaut werden. Nach Entwürfen des Architekten und Regierungsbaumeisters a. D. Hans Reichmann entstand ein Zeilenbau in der Rathausstraße 13 - 15 im Stile des Neuen Bauens in sehr modernen und expressionistischen Formen.

Die Neuapostolische Kirche in Wittenberge wurde im Jahre 2000 als Denkmal erkannt und aufgrund stadt- und regionalgeschichtlicher sowie künstlerischer, städtebaulicher, religions- und baugeschichtlicher Bedeutung offiziell in das Denkmalverzeichnis des Landes Brandenburg eingetragen.

Schwindende Gemeindemitgliederzahlen, von denen alle christlichen Religionsgemeinschaften in den letzten Jahrzehnten in Deutschland betroffen sind, führten im Jahre 2011 zur Entwidmung des

„Kirchenbaus", da die Neuapostolische Gemeinde in Wittenberge ein neues kleineres Domizil in der Stadt fand. Der folgende anhaltende Leerstand und die stetigen Unterhaltungskosten veranlassten den Gemeindevorstand der NAK zum Verkauf des denkmalgeschützten Gotteshauses. Die Interessenbekundungen von potenziellen Käufern, die u. a. eine Umnutzung beziehungsweise einen Ausbau zum Spiel- und Tobeparadies für Kinder, zur Glücks-Spielhalle oder zum Vermietungsobjekt mit mindestens 14 Wohneinheiten vorsahen, hätten aus denkmalfachlicher Sicht zu erheblichen Substanzeingriffen und -verlusten am Denkmal geführt (u. a. Abnahme des Kreuzes und der Schriftzüge „Neuapostolische-Kirche" für die Installation moderner Werbeanlagen; eingreifende Veränderungen der Binnenstruktur). Die Identität und die Geschichte des einstigen Sakralbaus wären verloren gegangen. Das behutsame denkmalgerechte Konzept zur Gebäudenachnutzung von Frau Becker-Koob und Herrn Koob überzeugte. Sie erwarben die ehemalige Neuapostolische Kirche in Wittenberge im Jahre 2018 und setzten in enger Absprache mit den Denkmalbehörden eine überaus sensible und denkmalverträgliche Instandsetzung auf Grundlage entsprechender Bestandserfassungen und Voruntersuchungen um.

Das Projekt „Ehemalige Neuapostolische Kirche Wittenberge" stellt ein herausragendes und beispielhaftes denkmalpflegerisches Restaurierungs- und Umnutzungsergebnis im Sinne der fortschrittlichen Denkmalerhaltung dar, das in besonderer Weise Vorbildwirkung für andere Denkmaleigentümer besitzt. Frau Becker-Koob und Herr Koob erwarben sich damit große Verdienste um die Bewahrung und feinfühlige Nachnutzung des denkmalgeschützten Zeilenbaus in der Rathausstraße 13 - 15, der ehemaligen Neuapostolischen Kirche in Wittenberge und damit auch um Denkmallandschaft des Landes Brandenburg.  Als Schwerpunkte ihres Schaffens und Engagements sind dabei die äußerst gelungene denkmalgerechte und damit vorbildliche Restaurierung/ Instandsetzung und Nachnutzung der ehemaligen Neuapostolischen Kirche in Wittenberge, die unveränderte Erhaltung moderner und expressionistischer Bauformen des 2. Viertels des 20. Jahrhunderts als wichtiger und seltener Bestandteil der Denkmallandschaft in Brandenburg und das Aufzeigen neuer denkmalverträglicher Perspektiven und Detaillösungen im Rahmen von Umnutzungen denkmalgeschützter sakraler Bestandsgebäude, die ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung nicht mehr dienen können, besonders hervorzuheben.


Im vergangenen Jahr gab es bereits einen Anerkennungspreise für die Kirchengemeinde und den Förderverein Kirche in Brüsenhagen e.V. für die denkmalgerechte Restaurierung des Kirchturms.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur verleiht seit 1992 den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Denkmalpflege und Bodendenkmalpflege.

Gewürdigt werden Leistungen, die über das nach dem Denkmalschutzrecht Gebotene hinausgehen, insbesondere das ehrenamtliche Engagement von Bürgerinnen und Bürgern oder bürgerschaftlichen Initiativen.

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