Landrat Uhe besucht noch einmal Chancengeber CJD

28.04.2022

Auf Einladung von Jörg Stricker, Fachbereichsleiter des CJD Berlin Brandenburg, besuchte Landrat Torsten Uhe am 26. April die Einrichtungen des CJD Prignitz e.V. in Groß Woltersdorf, Seefeld und die Außenwohngruppe (AWG) in Perleberg.

Bewohner und Betreuer der Außenwohngruppe (AWG) Perleberg zusammen mit Hausleiterin Hanka Bielert, (1.v.l.), Landrat Torsten Uhe (3.v.r.), Fachbereichsleiter CJD Berlin Brandenburg Jörg Stricker (1.v.r.) und Vierbeiner Sam (Foto: LK Prignitz, Meier-Donau)zoom

Seit Beginn seiner Amtszeit, hat sich Uhe immer besonders für diese Menschen und die Arbeit ihrer Betreuerinnen und Betreuer interessiert. „Es freut mich wirklich überaus, noch einmal offiziell in meiner Funktion als Landrat, diese besonderen Orte besuchen zu können“, sagte Uhe zu Beginn seiner kleinen Besuchsreise am Dienstagnachmittag in Groß Woltersdorf. „Es ist einfach unglaublich zu sehen, was hier in den letzten Jahren mit viel Engagement und Herzblut alles erreicht wurde“, setzte der Landrat begeistert nach. Und er hat Recht. Denn wie Patrick Blumenthal, Angebotsleiter Autismus-Kompetenzen beim CJD Berlin Brandenburg bestätigt, hat man gerade in Groß Woltersdorf, aber auch in der alten Schule Seefeld, die als Objektstandort über die Stadt Pritzwalk damals angeboten und in den Jahren 2005/2006 weitreichend umgebaut wurde, einen umfassenden Wissenspool rund um das Thema Autismus aufbauen und somit einen großen Beitrag zur individuellen, fachspezifischen und entwicklungsunterstützenden Förderung dieser Menschen in der Region und darüber hinaus leisten können. So arbeite man u.a. seit dem Jahr 2010 auch sehr eng mit dem KEH, dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herberge im Bereich der neurologischen und psychiatrischen Hilfe zusammen. Des Weiteren kommt alle sechs Wochen ein Ärzte- und Expertenteam des KEH zur Visite der Bewohner, die so in dem ihnen bekannten und sicheren Umfeld stressfrei untersucht werden können. „Hierbei ist aber auch die Zusammenarbeit mit den betreuenden Hausärzten noch einmal deutlich hervorzuheben, wenn es um physische Belange geht“, betonte Blumenthal.

Aber auch darüber hinaus ist in den Häusern viel passiert. So wurde in Groß Woltersdorf u.a. der Außenbereich umfassend durch einen Garten, ein Gewächshaus, viele kleine Sitzecken und einen Hühnerstall erweitert. Auch der Förder- und Beschäftigungsbereich wurde aufwendig saniert und vor Kurzem kam sogar noch eine neue Küche dazu, in der mit den Bewohnern nun zusammen gekocht werden kann. In der Einrichtung in Seefeld wurde beispielsweise der Kräuter- und Gemüsegarten, im Rahmen eines Schulprojektes, zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule Pritzwalk angelegt. „Das ist wirklich genial“, äußerte sich Jörg Stricker an dieser Stelle und brachte damit klar zum Ausdruck, wie angetan er persönlich von der gesamten Vereinsarbeit in der Prignitz ist. „Das ist absolut kein Standard und alltäglich, was hier an Leistung von den Leuten erbracht wird“, fuhr Stricker fort. „Das geht weit über eine normale berufliche Tätigkeit hinaus. Das kann man gar nicht oft genug sagen“. Auch Patrick Blumenthal wies in diesem Zusammenhang noch einmal auf die besondere Stellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hin und welche Bedeutung sie für die Bewohnerinnen und Bewohner haben. „Sie sind Bezugspersonen, Seelenschützer und Situationsinterpretierer. Das liegt nicht jedem, ist aber für die Alltagsarbeit mit Autisten und auch ihren Eltern essentiell. Denn die Andersartigkeit des Interaktionsverhaltes, besonders bei Kindern, führt bei vielen Eltern meist zu großen Irritationen und Verunsicherungen im Umgang mit ihrem Kind. Hier setzen wir also auch ganzheitlich bei der Familie und dem sozialen Umfeld unser Bewohner an“.

TIPP: Wer mehr über den Umgang mit autistischen Menschen erfahren möchte, dem sei an dieser Stelle die überaus interessante Podcast-Folge „Brücke zwischen zwei Welten: Begleitung von Menschen mit Autismus“, aus der CJD-Podcast-Reihe „Eine Reise durch das CJD / 75 Jahre für Bildung und Teilhabe“ ans Herz gelegt. Diese ist überall dort zu finden, wo es Podcasts gibt.

Abschließend besuchte Torsten Uhe die Außenwohngruppe (AWG) in Perleberg. Dort leben zurzeit dreizehn Erwachsene mit einer geistigen Behinderung. Sie lernen hier u.a. in einer Art Wohntraining, wie sie weitestgehend selbständig leben und ihren Alltag besser meistern können. „Die Inhalte des Wohnkonzepttrainings orientieren sich dabei immer an den jeweiligen Bedürfnissen des Einzelnen“, erklärte Hanka Bielert, Hausleiterin und gute Seele. „Sie ist etwas ganz Besonderes für mich. Sie ist mein Sonnenschein“, rief auf einmal Matthias, einer der Bewohner in den Raum und strahlte dabei bis über beide Ohren. Er fühlt sich wohl. Das konnte man sehen. Es war ein schöner Moment des Begreifens und man konnte gar nicht anders, als von seiner Offenheit und grenzenlosen Ehrlichkeit gerührt zu sein. Es braucht Menschen wie Hanka, damit sich Menschen wie Matthias wohlfühlen und sich in unserer Gesellschaft sowie im Leben zurechtzufinden, was selbst uns zuweilen wie eine Fahrt über ein unüberwindbares wildes Meer erscheint.

Nach einem leckeren Fingerfood, von den Bewohnerinnen und Bewohner mit viel Liebe selbst zubereitet, ging es hinaus in den Garten mit selbstgebautem Kleintiergehege für Zwergkaninchen und Meerschweinchen, Gewächshaus und vielen Beeten. Jörg Stricker berichtete Uhe beim weiteren Rundgang über geplante Umbau- und Sanierungsprojekte, wie die Erneuerung der Fassade und der Fenster des Altbaus und auch eine, noch für den Sommer geplante Spielanlage, mit Piratenkletterschiff im Innenhof, welche dann auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll. Zum Abschluss zeigten Matthias und Holger dem Landrat noch stolz ihre selbst gestalteten Zimmer und er erfuhr dabei von Holger, den alle liebevoll „Chefkoch“ nennen, was ihm die Koch-AG bedeutet, was er schon alles Leckeres zubereitet hat und wieviel Spaß er immer beim betreuten Einkaufen der jeweiligen Zutaten für seine Gerichte hat. Als Uhe sich dann verabschiedete, wurde es kurz unruhig. Denn für alle Bewohnerinnen und Bewohner war der Besuch etwas Besonderes und ein wenig Enttäuschung, über den viel zu frühen Aufbruch, machte sich in der Wohngruppe breit. Aber man verstand natürlich, dass der Landrat noch zu einem anderen Termin musste. Nach dem abschließenden Gruppenfoto kam Matthias noch einmal auf Torsten Uhe zu, zupfte an seinem Jacket und lud ihn zu seinem Geburtstag am Samstag ein. „Du kommst doch“, blickte er ihn fragend an. „Das ist leider zu kurzfristig. Das schaffe ich nicht“, entschuldigte sich der Landrat bei ihm. „Na dann kommst du eben zum Sommerfest“, verpflichtete ihn Matthias kurzerhand. „Sehr gerne. Dann aber ohne Anzug und auch nicht mehr als Landrat“, verabschiedete sich Uhe. Matthias winkte und sah sichtlich zufrieden aus.

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