Herbstdeichschau 2022 abgeschlossen

11.11.2022

Die Herbstdeichschau entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse fand in diesem Jahr am 9. November im Bereich Wittenberge – Quitzöbel und am 10. November im Gebiet Lenzen – Elbtalaue statt.

Deichschau (Foto: LK Prignitz)zoom

Die untere Wasserbehörde Prignitz, angesiedelt im Sachbereich Umwelt der Kreisverwaltung, hat an beiden Tagen gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt (LfU), dem Wasser- und Bodenverband Prignitz, dem Sachbereich Brand- und Katastrophenschutz, den betroffenen Gemeinden sowie weiteren Partnern den Zustand der Deiche begutachtet sowie deren Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen in Augenschein genommen und diskutiert.

Wie aus dem vorgestellten Lage- und Baubericht des Landesamtes für Umwelt hervorgeht, gab es 2022 erstmals keine größeren Baumaßnahmen an Deichen in der Region. Bislang konnte man schon auf 21 Kilometern Länge Deicherhöhungen auf das neue Bemessungshochwasser von 7,99 Meter am Pegel Wittenberge baulich durchführen. Weitere 58 Kilometer Deich sind noch verbleibend. Insbesondere in der Ortslage Bälow ist die Sanierung des bestehenden Deiches, verbunden mit dem Neubau von rund 500 m Deichstrecke zum Abschluss des Gesamtsystems Hochwasserschutz in der Prignitz dringend erforderlich. Der Baubeginn für diese Maßnahme wurde für 2025 angekündigt. Wie das LfU weiter ausführte, kam es durch die fehlenden Niederschläge zu immer intensiveren Trockenheits- und Hitzeperioden, was besonders in den Sommermonaten zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Deichbeweidung geführt hat. Darüber hinaus setzten den Deichen auch Beschädigungen durch Wildschweinrotten zu. Die Grasnarbe wird durch die Tiere bei der Nahrungssuche aufgewühlt. Niederschläge weichen dann die Böden auf und spülen Erdreich an den betroffenen Stellen aus. Damit wird der Schutz der Deiche gegen Wellenschlag stark beeinträchtigt.

Am Schöpfwerk (Foto: LK Prignitz)zoom

Bei Wentdorf, Gemeinde Cumlosen, Amt Lenzen-Elbtalaue, ist die Expertengruppe bei ihrer Inspektion auf einer Länge von ungefähr 600 Metern vermehrt auf Risse gestoßen, sowohl in der Deichkrone als auch in der Asphaltdecke des tiefergelegenen Deichverteidigungsweges. Die festgestellten Schäden sollen im Nachgang in das Deichschauprotokoll als „Gefahr in Verzug“ einfließen. Hier besteht aus Sicht der Teilnehmer direkter und schneller Handlungsbedarf. In der Ortslage Müggendorf, ebenfalls zur Gemeinde Cumlosen gehörend, erfolgt im Rahmen einer umfangreichen Deichsanierungsmaßnahme der Bau einer 500 Meter langen Hochwasserschutzwand, auch Spundwand genannt. Diese soll, auf Wunsch der Anwohner und passend zur Optik des historischen Ortskerns, final mit Klinkersteinen verkleidet werden. Die Bauarbeiten, bei denen man das bausubstanz- und naturschonende Einpressverfahren für die Spundwandteile nutzen will, sollen voraussichtlich im August 2023 beginnen.

Sieht man also einmal von den festgestellten Schäden bei Wentdorf ab, befindet sich die Grundsubstanz und der Unterhaltungs- und Pflegezustand der begutachteten Deichbereiche in einer guten bis sehr guten Verfassung, so das abschließende Fazit der diesjährigen Herbstdeichschau. Aber gerade die vorherrschenden Extremwetterlagen und auch die langen Trockenheitsperioden wirken sich zunehmend negativ auf den Zustand der Deiche aus. Das wird zukünftig dazu führen, dass auch die Aufwände für Erhaltung und Pflege unweigerlich steigen werden.

© Landkreis Prignitz 


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