12.05.2026
Im Mai steht wieder die Bekämpfung des Eichenprozessionspinners (EPS) im Landkreis Prignitz an. Die Aktion in diesem Jahr wird aber weit größer sein als in den Vorjahren, denn Experten erwarten eine große EPS-Population im Landkreis Prignitz.
Die Entwicklung hatte sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet. Hintergrund ist das vermehrte Vorkommen des Eichenprozessionsspinners im vergangenen Sommer. Der Schädling konnte sich aufgrund der Frühjahrstrockenheit 2025 viel stärker ausbreiten als erwartet. Darum hat man sich für dieses Jahr für eine größere Bekämpfungsaktion nicht nur am Boden, sondern auch aus der Luft entschieden.
Darüber haben sich die zuständigen Landesbehörden – der Landesbetrieb Straßenwesen, der Landesbetrieb Forst sowie das Landesamt für Umwelt - und der Landkreis Prignitz vorher abgesprochen, so dass es eine gemeinsame und koordinierte Aktion geben wird.
Per Hubschrauber sollen voraussichtlich ab dem 18. Mai insgesamt 610,80 Hektar Fläche behandelt werden. Fast die Hälfte davon, nämlich 278,60 Hektar, befinden sich im Bereich des Amtes Bad Wilsnack-Weisen. Einen großen Anteil nimmt mit 176,25 Hektar auch das Amt Lenzen-Elbtalaue ein. Diese großen Flächen haben damit zu tun, dass sich die EPS insbesondere entlandg der Elbe besonders stark verbreitet haben.
Allerdings betrifft die Bekämpfung aus der Luft alle elf Städte, Großgemeinden und Ämter im Landkreis Prignitz. Von drei Startplätzen aus wird der Hubschrauber nacheinander die Bekämpfung all dieser Flächen angehen. Beginnen wird er in Legde (Amt Bad Wilsnack-Weisen), dann geht es weiter in Eldenburg (Amt Lenzen-Elbtalaue), und zum Schluss startet der Hubschrauber von Reetz (Amt Putlitz-Berge) aus. Von allen drei Startorten gibt es eine klare Tourenfolge, mit der alle über den Landkreis verteilten betroffenen Gebiete erfasst werden.
Für den Zeitpunkt des Überfluges des Einsatzhubschraubers kommt es zu vorübergehenden Straßen- und Flächensperrungen . Behandelte Flächen an Waldrändern werden zusätzlich mit Hinweisschildern versehen. An sensiblen Orten in Ortslagen wie etwa Spielplätzen und Einzelbäumen finden Maßnahmen vom Boden aus statt.
Per EPS-Bekämpfung vom Boden werden auf dem Gebiet des Landkreises Prignitz weitere 267,12 Hektar erfasst. Auch diese verteilen sich über den gesamten Landkreis; den größten Anteil nimmt aber hier mit 116,11 Hektar das Stadtgebiet von Wittenberge ein.
Entlang der Landes- und Bundesstraßen obliegt die Bodenbekämpfung dem Landesbetrieb Straßenwesen. Hier hat sie bereits begonnen, und nach Angaben des Landesbetriebs soll sie im Landkreis bereits am Mittwoch, 13. Mai, beendet sein. Entlang der Kreisstraßen liegt die Bekämpfung am Boden beim Landkreis Prignitz. Hier geht es aber auch nicht vor dem 18. Mai los.
Während des Feiertagswochenendes rund um Christi Himmelfahrt vom von Donnerstag, 14. Mai, bis Sonntag, 17. Mai 2026, sind keine Bekämpfungsmaßnahmen vorgesehen.
Wie in den Vorjahren kommt das Biozid „Foray ES“ mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Bakterium, das in aufbereiteter Form als wässrige Lösung ausgebracht wird. Für Menschen sowie nicht blattfressende Insekten gilt das Mittel als unbedenklich. Die ausgebrachte Suspension trocknet innerhalb kurzer Zeit ab.
Wichtig: Wegen der Witterung ist eine Verschiebung der Bekämpfungsaktionen in der kommenden Woche nicht ausgeschlossen. Infos dazu erfolgen zeitnah.
Der Landkreis Prignitz wird die Öffentlichkeit tagesaktuell über den Einsatz informieren. Die Informationen werden im Internet unter https://www.landkreis-prignitz.de/de/aktuelles/eichenprozessionsspinner.php, im WhatsApp-Nachrichtenkanal des Landkreises Prignitz sowie über Presse und Rundfunk öffentlich bekanntgegeben.
Wichtige Ansprechpartner sind darüber hinaus die Ordnungsämter oder Grünflächenämter der Kommunen. Im Zusammenhang mit Wald können Betroffene sich auch an das zuständige Forstamt wenden.
Noch ein Hinweis:
Unter dem Link https://www.landkreis-prignitz.de/de/aktuelles/eichenprozessionsspinner.php werden alle möglichen Fragen rund um die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners beantwortet.
Zum Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner (kurz: EPS) tritt seit dem vergangenen Jahr wieder verstärkt in verschiedenen Bundesländern auf. Auch Brandenburg ist stark betroffen. Der Schwerpunkt liegt im Landkreis Prignitz.
Die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner-Raupen stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko für Menschen dar. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das schmerzhafte Hautausschläge mit starkem Juckreiz, Reizungen oder Entzündungen der Augen sowie Atembeschwerden hervorrufen kann. In seltenen Fällen kann es zu pseudoallergischen Schockreaktionen kommen. Wiederholter Kontakt kann die Beschwerden verstärken.
Auch Haus-, Wild- und Weidetiere sind bei Kontakt mit den Brennhaaren betroffen. Tiere können die Brennhaare auf ihrem Fell tragen und damit weiterverbreiten. Die Haare können zudem über mehrere Kilometer transportiert werden und behalten über Jahre hinweg ihre gesundheitsschädigende Wirkung. Für Menschen in den betroffenen Regionen stellt der Eichenprozessionsspinner bereits jetzt eine erhebliche Belastung dar.
Anhand sorgfältiger Untersuchungen und Prognosen wurde die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Gesundheitsschutz behördlich festgestellt. Auf Grund der Wirksamkeit sowie der Verträglichkeit für Umwelt und Gesundheit kommt das biologische Mittel „Foray ES“ zum Einsatz.
Das Mittel enthält Sporen und Protoxine des Bakteriums Bacillus thuringiensis kurstaki, einem Bodenbakterium, das allgemein verbreitet ist. Das Protoxin muss mit den Blättern beim Fraß aufgenommen werden und wandelt sich nur bei geeigneten Bedingungen im Darm der Schmetterlingsraupen (pH-Wert, Enzyme) in das giftige Toxin um. Die selektive Wirkung des Mittels ist an Bedingungen geknüpft, die nur bei Schmetterlingsraupen vorkommen. Es kommt zur Diarrhoe und zum Austrocknen der Larven. Letztlich verursachen die sich vermehrenden Bakterien eine Vergiftung bei den Raupen.
Man kann davon ausgehen, dass die Wirkung maximal zwei Wochen anhält. Das Mittel wird bei starkem Regen abgewaschen und ist sehr UV-empfindlich.
Die erforderlichen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz werden von Fachfirmen ausgeführt. Auftraggeber ist der Landkreis Prignitz. Das Land unterstützte die Vorbereitung und hilft bei der Durchführung des Einsatzes gegen den EPS im Rahmen einer konzertierten Aktion verschiedener Behörden und Verwaltungen, um wie vor etwa zehn Jahren (insb. von 2014 bis 2017) erfolgreich die weitere Massenvermehrung und Ausbreitung im Land zu verhindern.
Das Umweltministerium hat auf seiner Internetseite zudem Antworten zu häufig gestellten Fragen in Verbindung mit dem Eichenprozessionsspinner veröffentlicht: https://mleuv.brandenburg.de/mleuv/de/umwelt/forst/waldschutz/der-eichenprozessionsspinner/
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