Sagen vom König Hinz

König Hinz

In grauer Vorzeit gab es in der Prignitz einen König, der hieß Hinz. Er war gut und gerecht zu jedermann und überausbeliebt bei seinen Untertanen wie nie ein Herrscher zuvor. Doch niemand lebt ewig und so starb auch der König eines Tages. Jedoch sein Volk beschloss, wenigstens die Erinnerung an diesen treuen Führer auf alle Zeiten lebendig zu halten; so errichtete man dem Toten ein wahrhaft königliches Grabmal, welches einzig in seiner Art sein sollte: In drei verschiedenen Särgen, wovon der wertvollste in Gold getrieben war, bestattete man den Edlen sowie seine Gemahlin und eine treue Dienerin, die ihm voller Schmerz in den Tod gefolgt waren. Auf dass niemand fürderhin die Ruhe des Herrschers stören könne, wurde ein mächtiger Hügel um das Grab aufgeschüttet - so entstand der "Hinzberg".

Durch die Jahrtausende hinweg wurde nun die Geschichte von König Hinz von Generation zu Generation weitergegeben, so, wie es einst der Wille der Menschen gewesen war. Im vorigen Jahrhundert jedoch machte sich ein Bauer, in dessen Besitz der Hügel lag, an das Aufgraben. Ruhelos verbrachte er die Tage mit Wühlen und förderte doch nichts als Steine zutage. Da er darüber vergaß, seinen täglichen Pflichten nachzugehen, stand er bald arm und mittellos dar. Vielleicht ist es aber auch die Strafe des Königs gewesen, die ihn für seine Habgier traf.

Den Berg jedoch hat man nicht wieder in Ruhe gelassen. Im Jahre 1899 legten Archäologen die Grabkammer frei und bargen bronzezeitliche Gefäße mit den Resten dreier Personen, darunter eines Mannes in einem Bronzegefäß von einzigartiger Form - dem "goldenen" Sarg, wohlbeschützt von den beiden äußeren Umhüllungen, der Steinkammer und der Erdaufschüttung. Es gibt aber in der Nähe noch zwei weitere Hügel, in denen der Fingerring des Königs und andere Habseligkeiten liegen sollen.

Quelle:
Der Streit um die Prignitz. Herausgegeben von der Kreisverwaltung Perleberg. Gesammelt und überarbeitet von Kerstin Beck. Illustriert von Bernd Streiter. Leipzig: Messedruck, 1996. - 2. Aufl. - S. 86 - 87

Das Königsgrab von Seddin

Nahe Seddin, ungefähr auf halber Strecke zwischen Pritzwalk und Perleberg, erhebt sich einer der größten Grabhügel Europas. Mit ursprünglich etwa elf Metern Durchmesser, an seinem Fuß außerdem von einem Kranz zentnerschwerer Feldsteine umgeben, bietet er seit ewigen Zeiten weithin einen imposanten Anblick. In diesem Hügel, so berichtete im vorigen Jahrhundert die Überlieferung, sei der Riesenkönig Heinz oder Hinze begraben.

Dieser würde in einem dreifachen Sarg ruhen: einem ersten aus purem Gold, dieser stehe in einem zweiten aus reinem Silber und der wiederum in einem dritten Sarg ganz aus Kupfer. Bei sich habe der König außerdem sein goldenes Schwert und andere kostbare Kleinodien. Damit nicht genug: ein weiterer großer Hügel in der Nähe berge den goldenen Fingerring des Riesenkönigs in sich, so groß wie ein Armring für gewöhnliche Menschen, und in einem dritten Hügel gar ruhe die Schatztruhe des großen Herrschers.

Als man daranging, einen der drei Hügel - den, der den Fingerring enthalten sollte - abzutragen, fand man in seiner Mitte tatsächlich einen goldenen Armring. Da hatte man den Fingerring des Riesenkönigs! Umso mehr glaubte man nun an den Schatz im Hinzerberg und daran, dass in dem dritten Hügel die Schatztruhe ruhe. Dieser Hügel wurde ganz und gar abgetragen, aber der Schatz fand sich nicht. Doch der Fund des goldenen Ringes ließ den Besitzer des Hinzerberges nicht ruhen. Es ging ihm schlecht, da er mehr Zeit im Krug als auf seinem Feld und dem Hof verbrachte. Hinzes Goldsarg sollte ihn herausreißen. Also ans Werk. Wochen um Wochen brachen er und sein Knecht mit der Radehacke die Steine und schafften sie den Berg hinunter, so dass der spätere Besitzer viele hundert Fuhren Steine zum Bahn- und Chausseebau verkaufen konnte und ein gewaltiger Krater in dem Königshügel entstand. Der Goldsarg kam jedoch nicht zum Vorschein. Nur ein Bronzeschwert und einige andere Bronzen wurden gefunden. Diese aber sind dem Bauern verschollen, den die Schulden von Haus und Hof vertrieben. Erst sein Nachfolger fand das Gold in den Steinen, indem er sie verkaufte.

Schließlich wurde dennoch der dreifache Sarg mit den Überresten des Königs Hinz entdeckt. Als man vor hundert Jahren beim Steinabbau auf eine Grabkammer stieß, fanden sich außer Schmuck und Waffen auch ein großes Tongefäß und darin eine kostbare Bronzeamphore mit den Bestattungsresten eines Mannes, dem König Hinz der Sage. Und auch das Schwert des Königs fand sich: mit der Spitze nach oben steckte es im Lehmfußboden der Grabkammer.
Zwar nicht aus Gold, sondern aus einer durch das Alter grün patinierten Bronze; in neuem Zustand - zu Zeiten des Königs Hinz - hatte es jedoch einst genauso goldgelb geglänzt wie das prächtige Bronzegefäß, das diesem zuletzt als Urne diente - der goldene Sarg der Sage.

Quelle:
Das Königsgrab von Seddin und andere Sagen aus der Westprignitz. Gesammelt und bearbeitet von Günther Seier. Wittstock: Dochow, 1999. - S. 9 - 10

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