06.02.2026
Ministerin informiert sich vor Ort über den geplanten Gesundheitscampus und kommunale Beiträge zur Stärkung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Gesundheitsministerin Britta Müller hat sich heute in Perleberg über die Planungen für den Gesundheitscampus auf dem Gelände der ehemaligen Kaiserlichen Kasernen informiert. Im Mittelpunkt des Besuchs stand das denkmalgeschützte Stabsgebäude, das als erster Baustein zu einem interdisziplinären Gesundheitsstandort mit einem kommunal getragenen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) entwickelt werden soll. Vor Ort tauschte sie sich mit Axel Schmidt, Bürgermeister der Stadt Perleberg, Dirk Starck, Geschäftsführer des MVZ, und Ronald Otto, Geschäftsführer der GWG Wohnungsgesellschaft mbH Perleberg/Karstädt über das Projekt aus.
Der geplante Gesundheitscampus verfolgt das Ziel, bestehende Versorgungsstrukturen in der Region Prignitz zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Vorgesehen ist ein ambulant ausgerichtetes An-gebot mit hausärztlichem Schwerpunkt sowie ergänzenden medizinischen und therapeutischen Leistungen. Damit reagiert das Vorhaben auf die besonderen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, insbesondere auf den zunehmenden Fachkräftemangel und den steigenden Versorgungsbedarf einer alternden Bevölkerung. Im Planungsbereich bestehen derzeit sechs freie Hausarztsitze, was den Bedarf an zusätzlichen hausärztlichen Versorgungsangeboten verdeutlicht.
Ministerin Müller betonte die Bedeutung kommunaler Initiativen als unterstützenden Beitrag zur Stabilisierung regionaler Gesundheitsstrukturen: „Gerade im ländlichen Raum können kommunale Initiativen einen wichtigen ergänzenden Beitrag leisten, um bestehende Versorgungsstrukturen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Projekte wie der Gesundheitscampus Perleberg und kommunale Medizinische Versorgungszentren zeigen, wie Kommunen bestehende Versorgungsstrukturen ergänzen und Verantwortung für die regionale Entwicklung im Gesundheitsbereich übernehmen können.“ Zugleich machte Ministerin Müller deutlich, dass sie das Vorhaben ausdrücklich unterstützt. Der Gesundheitscampus Perleberg entspreche genau den Zielvorstellungen, die sie mit der Einwerbung der Mittel aus dem Zukunftspaket des Landes Brandenburg (ZuPakGBbgG) verbunden habe. „Bei der Ausrichtung der geplanten Poliklinikförderrichtlinie hatten wir genau solche Projekte vor Augen: kommunal eingebundene, investive Vorhaben, die ambulante und sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum stärken“, so Ministerin Müller.
Ministerin Müller verwies zudem darauf, dass im Rahmen des Zukunftspakets des Landes Branden-burg insgesamt bis zu 40 Millionen Euro für entsprechende Investitionen vorgesehen sind. Für das Jahr 2026 stehen davon 12 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen gezielt investive Vorhaben unterstützen, die zur Weiterentwicklung ambulanter und sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen beitragen. Über konkrete Förderungen wird nach Maßgabe der Förderrichtlinie und im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel entschieden.
Darüber hinaus wies Ministerin Müller darauf hin, dass das Land Brandenburg derzeit an einer landes-rechtlichen Regelung arbeitet, um Kommunen bei der Gründung und dem Betrieb kommunaler Medizinischer Versorgungszentren rechtssicher zu unterstützen. Ziel ist es, bestehende rechtliche Hürden – insbesondere im Hinblick auf Haftungs- und Absicherungsfragen – gezielt zu adressieren und so kommunales Engagement zur Unterstützung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum zu ermöglichen.
Der Besuch in Perleberg diente dem fachlichen Austausch zwischen Land, Kommune und Projektverantwortlichen und bildet eine wichtige Grundlage für die weitere Begleitung des Vorhabens im landes-politischen Kontext.
Hintergrund:
Das Land Brandenburg arbeitet derzeit an einer Förderrichtlinie zur Sicherung und Weiterentwicklung regionaler Gesundheitsstrukturen, die von Ministerin Müller unter dem Titel „Poliklinik-Förderrichtlinie“ vorangetrieben wird. Ziel ist es, insbesondere ambulante und sektorenübergreifende Versorgungsangebote zu stärken und strukturelle Anpassungen infolge der Krankenhausreform zu be-gleiten. Konkrete Aussagen zu einer möglichen Förderung können jedoch erst nach Abschluss des Richtlinienverfahrens getroffen werden.
Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ist eine ärztlich geleitete Einrichtung der ambulanten Gesundheitsversorgung. Hier arbeiten Vertragsärztinnen und -ärzte sowie angestellte Ärztinnen und Ärzte aus einer oder mehreren Fachrichtungen unter einem Dach zusammen. Träger eines MVZ können unter anderem Vertragsärztinnen und -ärzte, Krankenhäuser oder auch Kommunen sein. Das kommunale MVZ Perleberg wurde am 1. Januar 2026 eröffnet, die Stadt Perleberg ist als Gesellschafterin an dem MVZ beteiligt. Das Versorgungsangebot umfasst eine allgemeinmedizinische sowie eine nervenärztliche Betreuung. Ein interdisziplinäres Team aus Fachärztinnen und Fachärzten, medizinischen Fachangestellten und Verwaltungskräften sorgt dort für eine wohnortnahe und verlässliche Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Die Kaiserlichen Kasernen in Perleberg stehen seit dem Abzug der sowjetischen Truppen nach der Wiedervereinigung leer und wurden 1994 unter Denkmalschutz gestellt. Die Stadt Perleberg verfolgt das Ziel, hier durch die Erweiterung des kommunalen MVZ einen integrierten Gesundheitscampus zu entwickeln. Dieser soll die wohnortnahe medizinische Versorgung langfristig sichern, neue Versorgungsformen ermöglichen und zugleich als Impulsgeber für die Stadt- und Quartiersentwicklung wirken.
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