27.04.2026
Die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) war Gegenstand einer zweitägigen Übung des Landkreises Prignitz am 21. und 22. April.
Beteiligt waren daran eine ganze Reihe Akteure, vom Sachbereich Veterinäraufsicht/ Verbraucherschutz über die Sachbereiche Umwelt, Landwirtschaft, Kataster, Immobilienmanagement, Kreisstraßenmeisterei bis hin zum Sachbereich Brand- und Katastrophenschutz.
„Dachs“ schnüffelt an der Dose, die ihm Thomas Hain hinhält, nimmt Witterung auf und läuft gleich los, mitten in den Wald hinein. „Dachs“ ist ein Hund, und sein Herrchen setzt ihn bei der Fallwildsuche ein. Irgendwo hier im Wald bei Rosenhagen werden Wildschwein-Kadaver vermutet – möglicherweise mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert. Der Hundeführer ist ein Fachmann für die Fallwildsuche, hatte zuvor schon von seinem Einsatz an der Oder berichtet. Nun also Rosenhagen.
Während Thomas Hain mit „Dachs“ im Unterholz die Suche aufnimmt, wird ein paar hundert Meter weiter eine Menschenkette gebildet, die Meter für Meter den Wald absucht, die einzelnen Personen jeweils im Abstand von etwa zehn Metern voneinander. Alle hören auf das Kommando des rechten Außenmanns, der hier die nötige Ortskenntnis mitbringt.
Und sie werden schnell fündig: Im Strauchwerk fast versteckt liegt ein „Fundtier“, genauer gesagt ein Sandsack, auf den das Foto von einem Wildschwein aufgeklebt ist. Denn zum Glück handelt es sich bei all dem „nur“ um eine Übung.
Dabei scheint ASP im Moment weit weg zu sein – das Land Brandenburg hat derzeit keine eigenen Fälle mehr. Das aber ist keine Garantie – wie schnell sich die Dinge ändern können, hat sich nämlich gerade in Sachsen gezeigt: Erst Ende Februar war dort alles aufgehoben worden, was es an Restriktionen in Sachen ASP noch gab, aber Ende März gab es den nächsten Befund, und alles musste wieder hochgefahren werden. Aus Brandenburger Sicht liegt der Ort des Vorkommens nur 40 Kilometer von der Grenze zwischen den beiden Bundesländern entfernt.
Das alles ist Grund genug, sich für mögliche erneute Ausbrüche auch hier zu wappnen und den Umgang damit zwei Tage lang zu üben. Und das sachbereichsübergreifend: „Die ASP hat eine solche Größenordnung, dass die verschiedenen Sachbereiche bei der Bekämpfung zusammenarbeiten müssen“, sagt dazu Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer. Da die Bekämpfung in der Zuständigkeit des Landkreises liegt, haben die Bereiche nun diese Zusammenarbeit geprobt, wobei die Veterinäraufsicht um Dr. Sabine Kramer, Dr. Birgit Burchardt und Ina Westphal die Federführung übernommen hatte.
Der erste Tag der Übung stand ganz im Zeichen der theoretischen Beschäftigung mit allen möglichen Aspekten des Themas. „Wir haben alles erarbeitet, was wir für die Praxis der ASP-Bekämpfung brauchen“, erklärte Dr. Sabine Kramer weiter. Die Themen reichten unter anderem von der Bearbeitung der verdächtigen Proben und dem schnellstmöglichen Transport in das Landeslabor Berlin-Brandenburg über die Erstellung der Restriktionszonen in Zusammenarbeit mit dem Bereich Kataster und die Auflistung betroffener Jagdbezirke und landwirtschaftlicher Flächen sowie der Planung der möglichen Zaunstrecke bis hin zur Erstellung einer Tierseuchenverfügung.
Die Erkenntnisse wurden dann am zweiten Tag in die Praxis umgesetzt. Neben der Suche per Hund und per Menschenkette ließ eine weitere Gruppe das Gelände per Drohne absuchen. Linie für Linie zog die Drohne ihre Runden durch die Luft. Am Ausgangspunkt steuerte die Gruppe die Drohne und beobachtete auf dem Bildschirm genau, wo sie sich befindet und was sie möglicherweise findet. Etwa eine Dreiviertelstunde lang konnte das Gerät in der Luft bleiben und wichtige Erkenntnisse liefern.
Derweil hatten die Fallwildsucher per Menschenkette ihren Fund eines „Kadavers“ (sprich für die Übung ein Sandsack mit dem Bild eines Schweines darauf) an das Bergeteam gemeldet und die entsprechenden Standortdaten durchgestellt. Der vermeintliche Kadaver wurde von diesem dann unter Einhaltung der seuchenhygienischen Bedingungen geborgen.
Während die Teilnehmer der Übung unterwegs waren, wurde auf dem Hof des Sachbereichs Brand- und Katastrophenschutz schon die Desinfektionsstrecke für Fahrzeuge aufgebaut. Nach der Anlieferung des „Kadavers“ kam sie zum Einsatz. Der Sprühbogen dieser Desinfektionsstrecke war vor etwa 20 Jahren von Mitarbeitern des Landkreises selbst gebaut worden – damals im Zuge des deutschlandweit ersten Geflügelpestausbruchs auf der Insel Rügen.
Fazit nach zwei Tagen: Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert. Hier kommt der „Prignitzer Weg“ zum Tragen, den Dr. Sabine Kramer so umschrieb: „Die Prignitz ist bekannt dafür, dass wir miteinander reden.“
Ein weiteres großes Erfolgsgeheimnis dieser Übung ist das große ehrenamtliche Engagement aller Fallwildsucher. „Alle Externen sind unentgeltlich gekommen“, freute sich Dr. Sabine Kramer. Auch der Hundeführer und die Bergefirma hatten sich sofort bereit erklärt, mitzumachen - sie sind alle ebenfalls auf dem Prignitzer Weg unterwegs.
© Landkreis Prignitz
