21.10.2026
Seit dem 28. September wird nahe dem Königsgrab Seddin wieder gegraben: Mit Bagger, Spaten und Kelle sind die Archäologen um Grabungsleiter Dr. Immo Heske von der Georg-August-Universität Göttingen den Hinterlassenschaften der Bronzezeit auf der Spur.
Südliche Umgebung des Königsgrabes im Fokus
Im Fokus steht bei der diesjährigen Herbstgrabung die südliche Umgebung des um 820 v. Chr. errichteten Grabhügels des sagenumwobenen „Königs Hinz“, wo sich bis zu deren Abtragung im 19. Jahrhundert die sogenannten Kahlhorst-Grabhügel befanden. Bereits im Frühling waren die Archäologen dort bei ersten Sondagen auf vielversprechende Befunde gestoßen.
Die Erwartungen wurden in den vergangenen rund drei Wochen indes noch übertroffen: So konnte das Expertenteam große Mengen an Keramik feststellen, die zum Teil sekundär gebrannt sind. Das bedeutet, die bronzezeitlichen Gefäße waren nach ihrer Herstellung im Brennofen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals einem Feuer ausgesetzt.
Verkohlte Tierknochen könnten auf Rituale hindeuten
Außerdem förderten die Grabungen eine Bernsteinperle zutage, welche auf Handelsbeziehungen in den Ostseeraum hindeutet, sowie eine relativ große Menge an verkohlten Tierknochen. Professor Dr. Franz Schopper, Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), erläuterte dazu bei einer Pressekonferenz am 14. Oktober vor Ort in Seddin: „Hier wurden Tierteile oder Tiere vollständig verbrannt, so ähnlich, wie man sich das bei einer Totenverbrennung vorstellen muss.“ Ihm zufolge sind diese Funde im Zusammenhang mit Opferhandlungen zu sehen.
Ungewöhnlicher „Sonderbau“ entdeckt
Der überraschendste Fund jedoch besteht in einem knapp 11 mal 11 Meter großen Hausgrundriss, der in mehrerlei Hinsicht ungewöhnlich ist: So handelt es sich dabei um einen fast quadratischen Bau, während Häuser in der Frühgeschichte immer einen langrechteckigen Grundriss aufwiesen, wie Immo Heske betonte. Überreste von Baulehm deuten laut Franz Schopper zudem darauf hin, dass dieses Gebäude in besonderer Weise verputzt war.
Als weitere Besonderheit verwies der Landesarchäologe auf ein 1 mal 1,60 Meter messendes Pflaster aus sekundär gebrannten Keramikscherben, das innerhalb des Hausgrundrisses zutage trat. Das Gebäude ist Schopper zufolge als eine Art Sonderbau zu interpretieren und das Areal, auf dem es errichtet wurde, als „templum“ – ein von der profanen Nutzung abgegrenzter Bereich.
Grabungsleiter betont internationale Bedeutung des Fundortes Seddin
„Dieses Gebäude ist bisher singulär. Mir ist gegenwärtig nichts Vergleichbares bekannt“, sagt Grabungsleiter Immo Heske. Zugleich unterstrich er während der Pressekonferenz die hohe Bedeutung des Fundortes Seddin im internationalen Kontext: „Für die jüngere Bronzezeit haben wir hier ein riesiges Areal. Überall, wo man den Bagger ansetzt, ist etwas. Hier haben wir mehr als ein Grabungsschutzgebiet. Vielleicht gibt es perspektivisch die Möglichkeit, das Areal für die Unesco-Welterbe-Liste vorzuschlagen. Was hier noch im Boden steckt - es wird grandios sein.“
Noch bis Ende Oktober werden Immo Heske und das Team aus zehn Studierenden der Universitäten Göttingen, Jena und Bern sowie vier Mitarbeitern des BLDAM in Seddin vor Ort sein.
Und auch künftig wollen die Archäologen im Grabungsschutzgebiet „Siedlungs- und Rituallandschaft Königsgrab Seddin“ forschen: Eine Fortführung des von 2023 bis 2026 vom BLDAM in Kooperation mit der Georg-August-Universität durchgeführten DFG-Projektes „Siedlungsumfeld Seddin 1“ werde angestrebt, so Franz Schopper.
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