13.08.2026
Eine Woche lang archäologisch graben und forschen wie die Profis - das können 20 Jugendliche derzeit bei der nunmehr fünften Auflage des beliebten Sommercamps „Junge Archäologen Prignitz“, das seine Zelte in diesem Jahr am Burgwall Dallmin aufgeschlagen hat.
Zeitreise ins frühe Mittelalter
Zwischen dem 9. und 15. August erkunden die Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren gemeinsam mit Profis die Überreste der slawischen Burganlage, suchen nach Relikten der einstigen Besiedlung und begeben sich so auf eine spannende Zeitreise ins frühe Mittelalter. Am Dallminer Burgwall ist dies übrigens eine Premiere, denn bislang wurde dort noch nie archäologisch gegraben, erklärt Kreisarchäologe Torsten Geue.
Errichtet wurde die Anlage aller Wahrscheinlichkeit nach im 9. Jahrhundert. Mit einer Ausdehnung von rund 200 mal 130 Metern zählt sie zum Typus der sogenannten Feldberger Burgen, welche sich durch ihre Größe auszeichnen. Ringwälle aus späterer Zeit seien meist geringer im Durchmesser, erläutert Geue.
Keramik, Tierzähne und verkohltes Holz
Zusammen mit dem Archäologen Thomas Hauptmann, ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern und Experten vom Sachbereich Bildung, Denkmalschutz und Kultur der Kreisverwaltung Prignitz sowie des Stadt- und Regionalmuseums Perleberg und Mitgliedern des Postliner-Heimat-Club e. V. haben die 20 Jugendlichen drei Grabungsschnitte angelegt.
Zutage gefördert haben sie dabei aufwändig verzierte slawische Keramikscherben, typische Schlachtabfälle wie Knochen und Zähne von Nutztieren sowie mehrere Stücke verkohltes Holz und eine Holzkastenkonstruktion. Aus Sicht des Prignitzer Kreisarchäologen belegen diese Funde eindeutig, dass die Dallminer Burg ein bedeutendes Zentrum der Frühslawen in der Prignitz darstellte: „Die Fundmassen sind überzeugend“, fasst Geue zusammen.
Und die Schüler sind mit Begeisterung bei der Sache: So wollten sie an einem Tag sogar noch länger graben als eigentlich geplant, verrät Gordon Thalmann, Leiter des Sachbereiches Bildung, Denkmalschutz und Kultur in der Prignitzer Kreisverwaltung.
Schüler nehmen oft regelmäßig am Sommercamp teil
Etliche der Jugendlichen sind zudem „Wiederholungstäter“ und waren schon in den Vorjahren im Sommercamp mit dabei. Die 13-jährige Olga Marchenko etwa hat 2025 an der Burgruine Putlitz mitgegraben und wollte auch dieses Jahr unbedingt wieder teilnehmen. „Ich interessiere mich sehr für Archäologie“, erzählt sie. „Und das Zelten ist für mich ganz normal, weil ich es aus dem Urlaub kenne.“ Sie filtert gerade den Aushub des Grabungsschnittes durch ein feines Sieb und erkennt mit geübtem Blick sofort, wenn sich zwischen all dem Sand ein Tierzahn oder eine Scherbe befindet. Die Funde werden anschließend untersucht und dokumentiert.
Zusätzliche Unterstützung bekommt das Team der „Jungen Archäologen Prignitz“ in diesem Jahr von Studenten der Grabungstechnik der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie der Mittelalterarchäologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Mit dabei ist außerdem die Ukrainerin Irina Müller, die bis zum Kriegsausbruch in ihrer Heimat als Geschichts- und Politiklehrerin gearbeitet hat und derzeit ein Praktikum im Sachbereich Bildung, Denkmalschutz und Kultur der Kreisverwaltung Prignitz absolviert.
In puncto Technik darf sich das Team diesmal übrigens über eine ganz besondere Leihgabe freuen: So hat die Firma Hanse Baumaschinen GmbH aus Braak in Schleswig-Holstein für die Grabung großzügigerweise einen Radlader und einen Bagger zur Verfügung gestellt.
Hintergrund:
Das Sommercamp „Junge Archäologen Prignitz“ findet seit 2022 einmal jährlich statt. Es wird veranstaltet vom Sachbereich Bildung, Denkmalschutz und Kultur der Kreisverwaltung Prignitz, dem Stadt- und Regionalmuseum Perleberg und dem Förderkreis Prignitzer Museen e. V. und wird vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum begleitet.
Im Jahr 2025 wurde das Projekt mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz in der Kategorie „Vermittlungspreis“ ausgezeichnet.
© Landkreis Prignitz
